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Urteil Verwaltungsgericht (AG - AGVE 2015 76)

Zusammenfassung des Urteils AGVE 2015 76: Verwaltungsgericht

Der Gemeinderat als Baubewilligungsbehörde darf ein Baugesuch für Bauten ausserhalb der Bauzonen auch bei Vorliegen einer kantonalen Zustimmung wegen Bundesrechtswidrigkeit abweisen. Die Beschwerdeführenden rügten, dass die Zustimmungsverfügung für den Gemeinderat verbindlich sei und die Zuständigkeit zur Erteilung einer Ausnahmebewilligung ausschliesslich bei der AfB liege. Gemäss Art. 25 Abs. 2 RPG entscheidet die kantonale Behörde bei allen Bauvorhaben ausserhalb der Bauzonen über die Zonenkonformität. Es steht den Gemeinden offen, die Baubewilligung auch bei Bauvorhaben ausserhalb der Bauzonen zu verweigern, wenn eine kantonale Zustimmung vorliegt. Die konsequente Trennung des Baugebiets vom Nichtbaugebiet wird durch die Zustimmung der kantonalen Behörde gewährleistet.

Urteilsdetails des Verwaltungsgerichts AGVE 2015 76

Kanton:AG
Fallnummer:AGVE 2015 76
Instanz:Verwaltungsgericht
Abteilung:Verwaltungsbehörden
Verwaltungsgericht Entscheid AGVE 2015 76 vom 19.08.2015 (AG)
Datum:19.08.2015
Rechtskraft:
Leitsatz/Stichwort:AGVE - Archiv 2015 Bau-, Raumentwicklungs- und Umweltschutzrecht 417 76 Zuständigkeit für die Erteilung von Bewilligungen...
Schlagwörter: örde; Zustim; Ausnah; Zustimmung; Baubewilligung; Bauzone; Ausnahmebe; Gemeinderat; Ausnahmebewilli; Behörde; Baute; Bauten; Ausnahmebewilligung; Bauzonen; Bauvorhaben; Zuständigkeit; Erteilung; Baugesuch; Kanton; Beschwerdefüh; Anlagen; Entscheid; Beschwerdeführenden; Bundesrecht; Baugebiets; Vorliegen; Umwelt; Bundesgeset; Raumplanung
Rechtsnorm: Art. 5a BV ;Art. 75 BV ;
Referenz BGE:-
Kommentar:
-

Entscheid des Verwaltungsgerichts AGVE 2015 76

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76 Zuständigkeit für die Erteilung von Bewilligungen für Bauten ausserhalb der Bauzonen (Art. 25 Abs. 2 RPG; §§ 59 Abs. 1, 63 lit. e BauG) Der Gemeinderat als Baubewilligungsbehörde darf ein Baugesuch für Bauten und Anlagen ausserhalb des Baugebiets auch bei Vorliegen einer kantonalen Zustimmung wegen Bundesrechtswidrigkeit abweisen (Bestä- tigung der Rechtsprechung). Aus dem Entscheid des Regierungsrats i.S. I.S. und R.K. gegen den Ent- scheid des Departements Bau, Verkehr und Umwelt (Abteilung für Baube- willigungen)/Gemeinderats R. vom 19. August 2015 (RRB Nr. 2015-000882). Aus den Erwägungen 1. Zuständigkeitsordnung bei Bauten und Anlagen ausserhalb des Baugebiets 1.1 Dem Baugesuch der Beschwerdeführenden stimmte die AfB be züglich der kantonalen Prüfbelange mit Verfügung vom 6. März 2014 zu. Die AfB hielt im Ergebnis dafür, dass es der Bauherrschaft i.S.v. Art. 24c RPG zustehe, die Bauten und Anlagen auf Parzelle X in R. abzureissen und zu ersetzen. Der Gemeinderat R. wies das Bau gesuch mit Entscheid vom 1. Juli 2014 jedoch ab, wobei er auch die vom Kanton bereits geprüften Voraussetzungen für die Erteilung ei ner raumplanungsrechtlichen Ausnahmebewilligung einer eigenstän digen Beurteilung unterzog. Er kam dabei zum Schluss, dass das ge stellte Baugesuch nicht in Einklang mit Art. 24c RPG stehe, und ver-
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weigerte den Beschwerdeführenden daher die Baubewilligung für die projektierten Ersatzneubauten auf der Parzelle X. 1.2 Die Beschwerdeführenden rügen, dass die Zustimmungsverfü gung für den Gemeinderat R. verbindlich sei. Dem Gemeinderat komme bei Bauten und Anlagen ausserhalb der Bauzone keine Auto nomie zu. Die Zuständigkeit zur Erteilung einer Ausnahmebewilli gung i.S.v. Art. 24c RPG liege daher ausschliesslich bei der AfB. Der Gemeinderat wäre daher verpflichtet gewesen, den Beschwerdefüh renden die Baubewilligung entsprechend der kantonalen Zustim mungsverfügung zu erteilen. 1.3 Gemäss Art. 25 Abs. 2 RPG entscheidet die zuständige kanto nale Behörde bei allen Bauvorhaben ausserhalb der Bauzonen, ob sie zonenkonform sind ob für sie eine Ausnahmebewilligung er teilt werden kann. Nach aArt. 25 Abs. 2 RPG (in der bis zum 31. August 2000 gültigen Fassung; AS 1979 1573) wurden Ausnah men nach Art. 24 RPG durch eine kantonale Behörde mit deren Zustimmung bewilligt. Art. 25 Abs. 2 RPG wurde vom Bundesgesetzgeber am 20. März 1998 (AS 2000 2042) im Sinne einer Klarstellung umfor muliert (vgl. dazu: Botschaft zu einer Teilrevision des Bundesgeset zes über die Raumplanung, RPG, vom 22. Mai 1996, BBl 1996 III 513, S. 546). Seither ist in Art. 25 Abs. 2 RPG ausdrücklich festge halten, dass die kantonale Behörde nicht nur Bauvorhaben beurteilen muss, welche auf Erteilung einer Ausnahmebewilligung angewiesen sind, sondern dass alle Bauvorhaben von einer kantonalen Behörde zu prüfen sind, welche Land ausserhalb der Bauzone beanspruchen. Anders ausgedrückt wurde mit der Gesetzesänderung Art. 25 Abs. 1 der Verordnung vom 2. Oktober 1989 über die Raumplanung (aRPV; AS 1989 1985) auf Gesetzesstufe gehoben. Mit der Neuformulierung wollte der Gesetzgeber aber nicht die seit dem Inkrafttreten des RPG geltende Zuständigkeitsordnung ändern (vgl. dazu: aArt. 25 Abs. 2 RPG) und neu bestimmen, dass bei Bauvorhaben die kantonale Be hörde abschliessend über die Zonenkonformität der Baute bzw. die Ausnahmebewilligung befinden muss. Art. 25 Abs. 2 RPG bestimmt
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nur, dass die Baubewilligung einer kantonalen Zustimmung bedarf (vgl. dazu auch: ALEXANDER RUCH, in: Kommentar zum Bundesge- setz über die Raumplanung, 2010, N. 32 und 37 zu Art. 25). Dass die kantonale Behörde die Bau- bzw. die Ausnahmebe willigung nicht zwingend selber erteilen muss, geht im Übrigen wei terhin aus dem Wortlaut Art. 25 Abs. 2 RPG hervor. Die kantonale Behörde ist gemäss Art. 25 Abs. 2 RPG nämlich nur zuständig zu entscheiden, ob eine Bau- Ausnahmebewilligung erteilt werden kann; sie muss aber von Bundesrechts wegen nicht zwingend ab schliessend darüber befinden, ob im konkreten Fall effektiv eine Bau- Ausnahmebewilligung zu erteilen ist. Das Bundesrecht verlangt von den Kantonen daher nur, dass die Erteilung einer Bau bewilligung ausserhalb der Bauzone einer kantonalen Prüfung und Zustimmung bedarf. Beim Vorliegen einer Zustimmung obliegt es gemäss § 59 Abs. 1 BauG dem Gemeinderat als Baubewilligungsbe hörde darüber zu befinden, ob die Bau- und Ausnahmebewilligung erteilt werden kann (vgl. dazu auch: AGVE 1991 S. 302 f.). Die sich auf DANIELA IVANOV stützende, gegenteilige Ansicht der Beschwerdeführenden (Beschwerde vom 29. Juli 2014 ...; DANIELA IVANOV, Die Harmonisierung des Baupolizeirechts unter Einbezug der übrigen Baugesetzgebung - aktuelle Rechtslage und Lösungsansätze, Freiburg 2006, S. 174 ff.) lässt den Umstand ausser Acht, dass der Bundesgesetzgeber bloss ein Zustimmungserfordernis statuierte. Da der Kanton Aargau sich dafür entschieden hat, den Ge meinderat als zuständig zu erklären, die Baubewilligung auch bei Bauvorhaben ausserhalb der Bauzonen zu erteilen (§ 59 Abs. 1 BauG), steht es diesem von der Zuständigkeit her auch offen, bei Vorliegen einer kantonalen Zustimmung, die Baubewilligung zu ver weigern. Die Belassung eines möglichst weiten Entscheidungsspiel raums bei den Gemeinden entspricht denn auch dem verfassungs rechtlichen Subsidiaritätsprinzip (Art. 5a BV und § 106 der Verfas sung des Kantons Aargau vom 25. Juni 1980) und ist daher nicht zu beanstanden. Die konsequente Trennung des Baugebiets vom Nicht baugebiet (Art. 75 Abs. 1 BV) kann auch garantiert werden, wenn der Gemeinderat Bauvorhaben ausserhalb der Bauzonen nur mit Zu stimmung der kantonalen Behörde bewilligen darf (§ 63 lit. e BauG).
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Damit ist sichergesellt, dass ausserhalb der Bauzonen nur recht mässige Bauten erstellt und belassen werden können. Es besteht da her vorliegend kein Grund, die vom Verwaltungsgericht geprägte Praxis in Frage zu stellen. Zusammenfassend steht damit fest, dass es den Gemeinden als kommunale Baubewilligungsbehörden auch zusteht, Baugesuche für Bauten und Anlangen ausserhalb der Bauzonen wegen Bundesrechts widrigkeit abzuweisen. Nicht erlaubt ist es der kommunalen Behörde dagegen, ein Baugesuch ohne Zustimmung des Kantons zu bewilli gen. (...)
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