Instanz: | Bundesverwaltungsgericht |
Abteilung: | Abteilung IV |
Dossiernummer: | D-2418/2018 |
Datum: | 04.05.2018 |
Leitsatz/Stichwort: | Vollzug der Wegweisung |
Schlagwörter : | ücht; Flücht; Christ; Vater; Bundes; Konversion; Recht; Vollzug; Bundesverwa; Christent; Person; Rück; Ausreise; Schwei; Bundesverwal; Ausländer; Vorinst; Behandlung; Relig; Rückk; Beweis; Asyls; Entzug; Behör; Über |
Rechtsnorm: | - |
Referenz BGE: | - |
Kommentar: | - |
Abteilung IV D-2418/2018
Besetzung Einzelrichter Simon Thurnheer,
mit Zustimmung von Richterin Andrea Berger-Fehr; Gerichtsschreiberin Andrea Beeler.
Parteien A. , geboren am ( ), Iran,
vertreten durch MLaw Sara Lenherr,
Berner Rechtsberatungsstelle für Menschen in Not, Beschwerdeführer,
gegen
Vorinstanz.
Gegenstand Flüchtlingseigenschaft und Vollzug der Wegweisung; Verfügung des SEM vom 23. März 2018 / N ( ).
Sachverhalt:
Anlässlich seiner Befragungen machte der Beschwerdeführer im Wesentlichen geltend, dass er iranischer Staatsangehöriger aserbaidschanischer Ethnie sei und aus Teheran stamme. Er habe dort sein Abitur gemacht und schliesslich vier Semester an der Universität studiert, bevor er zusammen mit seinem Vater in einer ( )firma gearbeitet habe. Seit seinem achtzehnten Lebensjahr habe er Drogen konsumiert, zuerst während achtzehn Jahren Opium, danach Amphetamin. In den letzten fünf bis sechs Jahren vor seiner Ausreise habe er Methadon erhalten. Ihm sei es psychisch immer schlechter gegangen und er habe angefangen, Stimmen zu hören, was er seinem Vater erzählt, wobei er ihn gebeten habe, einen Arzt zu organisieren. Aufgrund des Drogenkonsums habe der Vater seinen Lohn einbehalten, weshalb er von ihm abhängig gewesen sei. Sein Vater habe ihn schliesslich gegen seinen Willen in eine private Entzugsklinik bringen lassen, wo er drei Mal für je ungefähr einen Monat habe bleiben müssen. In dieser Institution sei er auf verschiedene Arten grob belästigt, gefoltert und sexuell missbraucht worden. Das letzte Mal sei er sechs Monate vor seiner Ausreise in dieser Entzugsklinik gewesen. Dennoch habe er stets befürchtet, erneut dorthin eingeliefert zu werden. Diese Situation habe er nicht mehr ausgehalten und er habe seinen Vater gebeten, einen Schlepper zu organisieren. In der Schweiz habe er sich zudem dem Christentum zugewandt.
Mit Eingabe vom 25. April 2018 liess der Beschwerdeführer diese Verfügung durch seine Rechtsvertreterin anfechten und beantragte in materieller Hinsicht, die vorinstanzliche Verfügung sei aufzuheben, es sei seine
Als Beweismittel reichte der Beschwerdeführer eine Kopie seines Taufversprechens vom (...) September 2017 zu den Akten.
Mit Schreiben vom 26. April 2018 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht den Eingang der Beschwerde.
Das Bundes ve rw altungs ge ric ht zie ht i n E rw ägung:
G emäss Art . 31 VGG beurt eilt das Bundesverwal t ung sg ericht Beschwer-
den g eg en Verf üg ung en nach Art . 5 VwVG und ent scheidet auf dem G ebiet
des Asyls in der Reg el - wie auch vorl ieg end - endg ült ig ( Art . 83 Bst . d
Ziff . 1 BG G; Art . 105 Asyl G [ SR 142. 31]) . Der Beschwerdef ühr er ist als Ver -
f üg ung sadr essat zur Beschwerdef ühr ung leg it imiert ( Art . 48 VwVG ) . Auf
die f r ist- und f ormg erecht eing ereicht e Beschwerde ist dem nach einzutr e-
t en ( Ar t. 108 Abs. 1 AsylG und Art . 52 Abs. 1 VwVG ).
Die Kog nit ion des Bundesverwa lt ung sg ericht s und die zulässig en Rü-
g en r ichten sich im Asylber eich nach Art . 106 Abs. 1 AsylG , im Bereich des
Ausländer r echts nach Art . 49 VwVG ( vg l. BVG E 2014/26 E. 5) .
Die Beschwerde erwe ist sich als off ensichtlich unbegründet und ist im
Verf ahr en einzelr ichter licher Zust ändigk eit m it Zust imm ung einer zweit en
Richter in ( Ar t. 111 Bst . e Asyl G ) ohne W eit er ung en und m it summ arischer
Beg r ündung zu behandeln ( Art . 111 a Abs. 1 und 2 AsylG ) .
Zur Beg r ündung ihrer abwe isenden Verf üg ung f ühr t e die Vorinst anz
aus, dass die Vor bring en des Beschwerdef ühr ers den Anf order ung en an
die Flücht ling seig enschaf t nach Art . 3 AsylG nicht st andhalt en würden. Die
von ihm g elt end g em acht e er lebt e Folt er und sexu elle Belästig ung in der
privaten Dr og enent zug sinstitut ion sowie die g enerellen Pr obleme m it dem
Vater bezüg lich seines Dr og enkonsums beziehung sweise seiner psychi-
schen Erkr ank ung seien nicht auf grund von einem der in Art . 3 AsylG g e-
nannt en Motive erf olg t. Es habe sich vielm ehr um eine schwierig e Lebens-
sit uat ion g ehandelt , die erheblich dur ch seinen Dr og enk onsum r espekt ive
seine psychische Kr ank heit g epr ägt g ewesen sei. Was die Bef ür chtung des
Beschwerdef ühr ers angehe, erneut in die Entzug sk linik eing ewiesen zu
werden, so sei f est zustellen, dass er in der Schweiz eine D iag nose seiner
psychischen Kr ank heit er halt en habe . Som it sei eine ang emessene Be-
handlung m ög lich . Auch sein Vater habe diese Diag nose zur Kenntnis g e-
nom m en. Auf grund der gest ellt en Diag nose so wie dem dar aus r esult ieren-
den Set an Behandlung sm ög lichk eit en sei deshalb die G ef ahr einer erneu-
t en zwang sweise n Ein we isung in die Entzugsk linik g ering . Schliesslich r ei-
che die vorg ebr achte Konversion zum Christent um nicht aus, um von einer
zuk ünf t ig en Verf olg ung im Ir an auszug ehen. Den Aussag en des Beschwer-
def ühr er s sei nicht zu ent nehmen, dass er die Konversion abg eschlossen
hät t e, beziehung sweise seinen G lauben akt iv nach aussent r üg e und m is-
sionarisch akt iv wäre .
Der Beschwerdef ühr er bring t in seiner Be schwerde vor, dass sich seine
Konversion zum Christent um ber eit s anlässlich der Anhörung vom 30. No-
vember 2016 abg ezeichnet habe. Bis die Vor instanz ihre Verf üg ung vom
23. März 2018 erlassen habe, seien sechzehn Mo nat e vergang en. Die Vor -
instanz hät t e sich deshalb in der Zwischen zeit über den St and der Ding e
bet r eff end Konversion zum Christent um erkundig en m üssen. Dies habe sie
nicht get an, womit sie ihrer Untersuchung spf licht nicht nachg ek om m en sei.
Seit der Beschwerdef ührer in er Schwei z sei, habe er sich intensiver m it
dem Christent um auseinanderg eset zt. Er sei von Missionaren besucht
worden, we lche m it ihm über das Christ ent um g esprochen hät t en und ihm
eine Bibel und ein Mag azin in Far si ausg ehändigt hätt en. Dies habe ihn
überzeug t, zum Christ entum zu k o nvert ieren. Am ( ) Sept em ber 2017
habe er sein Tauf verspr echen abg eleg t. Er besuche m indest ens einmal in
der W oche die Kir che und die Bibel g ehör e zu seiner t äg lichen Lekt üre. Vor
O st er n f ast e er, wie es von einem prakt izierenden G läubig en erwart et
werde. Er habe seine Elt ern über seine Konversion orientiert , indem er
ihnen m it seinem Mobilt elef on Fot os von seiner Tauf e g eschickt habe. Der
Vater sei dar auf hin sehr wütend g eworden und habe ihm g esagt, dass er
nie wieder in den I r an zurückk ehren solle. Au ch habe er ihn weg en uner-
laubten Relig ionswechsels bei den G erichtsbehörden ang ezeig t, womit er
als Landesverr äter g elte und bei einer Rückk ehr in den Ir an inhaf t iert
würde.
Der Pr ozessg eg enst and ist im vorlieg enden Verf ahren auf die Frag e n
beschränkt , ob der Beschwerdef ühr er auf grund subj ekt iver Nachf lucht -
g ründe von Art . 54 AsylG inf olg e seiner in der Schwei z erf olg t en Konver-
sion zum Chr ist ent um die Flücht ling seig enschaf t erf üllt und daher - oder
aus einem anderen Gr und - vorläuf ig auf zunehm en ist ( vg l. Ziff . 3.2 der
Beschwerde) . Die Ablehnung des Asylg esuchs ist dag eg en unang ef ocht en
in Recht sk r af t erwachsen und die W eg weisung als solche ist auch nicht
m ehr zu pr üf en.
Sowe it der Beschwerdef ühr er eine Ver letzung des Untersuchungs-
g rundsat zes ( Art . 12 Vw VG ) r ügt, verk ennt er, dass dieser G r undsat z durch
die Mit wir k ung spf licht der Asylsuchenden ( Ar t. 8 AsylG , Art . 13 VwVG ) be-
schränkt wir d, wonach die asylsuchende Per son der Behör de alle G r ünde
m it zuteilen hat, die f ür die Asylg ewähr ung oder f ür den Ver zich t auf Vollzug
der W eg weisung r elevant sein könnten. Die ent scheidende Behörde darf
sich sodann in der Reg el dar auf beschränk en, die Vorbr ing en der Asylbe-
werber zu würdig en und die von ihnen ang ebotenen Beweise ab zuneh-
m en, ohne weit ere Abk lärung en vornehmen zu m üssen. Es wäre m it hin
Aufg abe des Beschwerdef ühr er s g ewesen, die Asylbehör den über verän-
der t e per sönliche Um st ände zu inf orm ieren. I nsofern m it der Rüg e im plizit
die Richtigk eit der m at eriellen W ürdig ung in Frag e g est ellt wir d, wir d diese
schliesslich m it vorlieg endem Urt eil best ätig t.
Flücht ling e sind Personen, die in ihr em He im atstaat oder im Land, in
dem s ie zuletzt wohnten, weg en ihrer Rasse, Relig ion, Nationalit ät, Zug e-
hör igk eit zu einer best im mt en sozialen G r uppe oder weg en ihrer polit i-
schen Anschauung en ernsthaf t en Nacht eilen ausg eset zt sind oder beg r ün-
det e Furcht haben, solchen Nacht eilen ausg eset zt zu werden ( Ar t . 3 Abs. 1
AsylG ) . Als ernst haf t e Nachteile g elten nament lich die G ef ähr dung des Lei-
bes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massna h m en, die einen uner tr äg -
lic hen psychischen Druck bewir k en ( Art . 3 Abs. 2 AsylG ) .
Wer um Anerk ennung als Flücht ling nachsucht muss die Flücht ling sei-
g enschaf t nachweisen oder zumindest g laubhaf t m achen. Die Flücht lings-
eig enschaf t ist g laubhaf t g emacht , wenn die Behörde ihr Vorhandensein
m it überwieg ender Wahrscheinlichk eit f ür g eg eben hält. Ung laubhaf t sind
insbesondere Vor bring en, die in wesentlichen Punkt en zu wenig begründet
oder in sich wider sprüchlich sind, den Tat sachen nicht ent sprechen oder
m assg eblic h auf g ef älschte oder verf älscht e Beweism it t el abg est ützt wer-
den ( Art . 7 AsylG ) .
Beruf t sich eine Person dar auf , dass durch ihre illeg ale Ausreise
( sog . Republikf lucht ) oder dur ch ihr Verhalt en nach der Ausreise aus dem
Heim at - oder Herkunf t sstaat ( insbeso ndere dur ch polit ische Exilak t ivit äten)
eine G ef ähr dung ssit uat ion erst g eschaff en worden ist, hat sie begründet en
Anlass zur Fur cht vor künf t ig er Verf olg ung , wenn der Heim at - oder Her-
k unf t sst aat m it erheblicher Wahrscheinlichk eit vom f r ag lichen Um st and er -
f ahr en hat und die Person deshalb bei einer Rückk ehr in f lücht ling sr echt-
lich r elevant er W eise verf olgt würde ( Urt eil des BVG er E- 5232/ 2015 vom
3. Febr uar 2015 E. 5. 3).
Solche subj ekt ive Nachf luchtg r ünde beg r ünden zwar die Flücht ling seig en-
schaf t im Sinne von Ar t . 3 AsylG , f ühr en j edoch gem äss Ar t. 54 AsylG zum
Ausschluss des Asyls, unabhäng ig davon, ob sie m issbräuchlich oder nicht
m issbräuchlich g esetzt wurden. St att dessen werden Personen, welche
subj ekt ive Nachf luchtg r ünde nachweisen oder g laubhaf t m achen k önnen,
als Flücht ling e vorläuf ig auf g enomm en ( vg l. BVGE 2009/ 28 E. 7. 1 m. w. H. ).
Bei einer christlichen G laubensausübung von ir anischen Asylsuchen-
den im Ausland ist g em äss Pr axis des Bundesverwa lt ung sg er ichts die
christliche Über zeug ung der Personen im Ei nzelf all, soweit m ög lich, einer
näher en Über pr üf ung zu unt erziehen ( vg l. hierzu und zum Folg enden ins-
besonder e BVG E 2009/ 28 E. 7. 3.4 und E. 7.3. 5; Ur t eile des EG MR A. g e-
g en die Schweiz vom 19. Dezember 2017, 60342/16; EG MR [ grosse Kam -
m er] F. G. g eg en Schwed en vom 23. März 20 16, 43611/11; Urt eil des
BVG er D - 7222/ 2013 vom 31. Ok tober 2014 E. 6.5 m. w. H. ) . Der Über tr itt
vom m uslim ischen G lauben zum Christent um f ührt allein grundsät zlich zu
k einer ( individuel len) st aatlichen Verf olg ung im I ran, sof er n der Konvert it
den absoluten Macht anspruch der Muslim e r espektier t und nicht m issio-
nierend t ät ig wir d. Eine Verf olg ung dur ch den ir anischen St aat k ommt er st
dann zum Tr ag en, wenn der G laubenswechsel auf g r und einer m issionie-
r enden T ät igk eit bek annt w ir d und zug leich Ak t ivit äten des Konvert it en vor-
lieg en, die vom Reg im e als Angr iff auf den St aat ang esehen werden. Bei
Konversionen im Ausland m uss daher bei der Prüf ung im Einzelf all neben
der G laubhaf t igk eit der Konversion auch das Ausm ass der öff ent lichen Be-
k annt heit f ür die bet r off ene Person in Betr acht g ezog en werden.
Hinsichtlich der vom Beschwerdef ühr er g elt end g em acht en Konversion
zum Christent um sind nach Ansicht des Bundesverwalt ung sg ericht s Zwei-
f el an der Er nst haf t igk eit ber echt ig t. So war der Besch werdef ühr er in der
Anhörung - auch auf Nachf r ag e - nicht in der Lag e, Subst anzielles zu sei-
ner Motivation f ür einen Relig ionswechsel vorzub r ing en beziehung sweise
zu erläuter n, was ihn am I slam st ört und am Christ ent um anzieht . So hat
er in dieser Hinsicht ledig lich ausg ef ühr t, dass er m it dem I slam Pr obleme
g ehabt r espekt ive diesen nicht g em ocht und eine ander e Relig ion benöt igt
habe, weil er nicht ohne einen G ot t habe leben können , und dass er nach
dem Besuch von zwei Mi ssionaren sowie der Lek türe eines Ma g azins zum
Schluss g ek omm en sei, dass das Christent um eine g ute Relig ion sei ( vg l.
Akt en der Vor instanz, A13, F168, F171) . Auch die Ausf ühr ung en in der Be-
schwerde verm ögen die diesbezüg lichen Zwe if el nicht g änzlich auszuräu-
m en. Selbst wenn die Er nsthaf t igk eit indessen nicht in Fr ag e zu st ellen ist,
lieg en k eine Um st ände vor, welche eine asylr elevante Verf olg ung nahe le-
g en würden.
Aufgr und der auf Beschwerdeebene eing er eichten Kopie des Tauf ver spre-
chens ist imm erhin davon auszug ehen, dass sich der Beschwerde f ühr er
inzwischen hat t auf en lassen und die Konversion dam it f orm ell best ätigt ist.
Der Beschwerdef ühr er br ingt auf Beschwerdeebene vor , inzwischen m in-
dest ens einmal in der Woche die Kir che zu besuchen und t äg lich in der
Bibel zu lesen so wie vor O st er n zu f ast en. Selbst wenn die G laubensaus-
übung in diesem Masse st attf indet , was nebenbei bem erkt nicht beleg t ist,
k ann nicht von einer akt iven, f ast m issionierende Züg e annehm enden
G laubensausübung , die den Beschwerdef ühr er in besonder em Masse ex-
ponieren würde, g espr ochen werden. Der Beschwerdef ühr er m acht so-
dann g elt end, er habe seinen Elt ern auf dem Mobilt elef on Fot os seiner
Tauf e g eschickt , worauf hin der Vater wütend g eworden sei und ihn bei den
ir anischen Sicher heit sbehör den ang ezeigt habe, weshalb er nun al s Lan-
desverr äter g elt e. O b sich dies so abspielt e, das Vorbr ing en ist not abene
in k einer W eise belegt noch subst anziiert darg elegt worden, k ann an dieser
St elle dahing estellt bleiben, da das Vor bring en als nachg eschoben zu q ua-
lif izieren und nicht davon aus zug ehen ist, die ir anischen Behörden unt er -
st ellt en ihm eine m issionierende Tät igk eit beziehu ng sweise Ak t ivit äten, die
als Angr iff auf den St aat g ewert et würden.
Nach dem G esagten erg ibt sich, dass sich der Beschwerdef ühr er nicht
auf subj ekt iven Nachf lucht g r ünde ber uf en k ann. Die Vorinst anz hat som it
insg esam t zu Recht das Vorlieg en einer f lüchtlingsr echt lich r elevant en Ver-
f olg ung sg ef ahr verneint und dem Beschwerdef ühr er die Flücht ling seig en-
schaf t nicht zuerk annt.
I st der Vollzug der W egwe isung nicht zulässig , nicht zumut bar oder
nicht m ög lich, so r eg elt das St aat ssekr etar iat das Anwesenheit sverhält ni s
nach den g eset zlichen Bestim m ung en über die vorläuf ig e Auf nahm e
( Ar t. 44 AsylG ; Ar t. 83 Abs. 1 AuG [ SR 142.20] ).
Be im G elt endm achen von W eg weisung svollzug shindernissen g ilt g emäss
Pr axis des Bundesverwal t ung sg ericht s der g leiche Beweisst andar d wie bei
der Pr üf ung der Flücht ling seig enschaf t; das heisst , sie sind zu beweisen,
wenn der str ikt e Beweis m ög lich ist , und ande r nfalls wen ig st ens g laubhaf t
zu m achen ( vg l. BVG E 2011/24 E. 10. 2 m . w. H. ).
Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völk er r echt liche Verpf licht ung en
der Schwei z einer W eit err eise der Ausländer in oder des Ausländer s in den
Heim at -, Herk unf t s- oder einen Dr itt st aat entg egenstehen ( Ar t. 83 Abs. 3
AuG).
So darf keine Person in irg endeiner For m zur Ausreise in ein Land g ezwun-
g en werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Fr eiheit aus einem G r und
nach Ar t. 3 Abs. 1 AsylG g ef ähr det ist oder in dem sie G ef ahr läuf t , zur Aus-
r eise in ein solches Land g ezwung en zu werden ( Ar t . 5 Abs. 1 AsylG ; vg l.
ebenso Ar t. 33 Abs. 1 des Abk om m ens vom 28. Juli 1951 über die Recht s-
st ellung der Flücht ling e [FK, SR 0. 142.30] ).
G emäss Art . 25 Abs. 3 BV, Ar t. 3 des Über eink om m ens vom 10. De zem-
ber 1984 g egen Folt er und ander e grausam e, unm enschliche oder ernied-
r ig ende Behandlung oder Str af e ( FoK, SR 0.105) und der Pr axis zu Ar t. 3
E MRK darf niemand der Folt er oder unm enschlicher oder erniedr ig ender
St r af e oder Behandlung unt erworf en werden.
Die Vorinst anz wies in ihrer ang ef ocht enen Verf ügung zutr eff end dar auf
hin, dass das Pr inzip des f lücht ling sr echt lichen Non - Ref oulement nur Per -
sonen schüt zt , die die Flücht ling seig enschaf t erf üllen. Da es dem
Beschwerdef ühr er nicht g elung en ist , eine asylr echtlich erhebliche G ef ähr-
dung nachzuwe isen oder g laubhaf t zu m achen, k ann der in Ar t. 5 AsylG
verank ert e Gr undsat z der Nicht r ückschiebung im vorlieg enden Verf ahr en
k eine Anwendung f inden. Eine Rück schaff ung des Beschwerdef ühr ers in
de n Ir an ist dem nach unter dem Aspekt von Ar t. 5 AsylG r echtm ässig .
Sodann erg eben sich weder aus den Aussag en des Beschwerdef ühr ers
noch aus den Ak t en Anhalt spunk t e daf ür, dass er f ür de n Fall einer Aus-
schaff ung in den I r an dor t m it beacht licher Wahrscheinlichk eit einer nach
Ar t . 3 EMRK oder Ar t. 1 FoK verbot enen St r af e oder Behandlung ausg e-
setzt wäre . G em äss der Pr axis des Europäischen G er ichtshof es f ür Men-
schenrecht e ( EG MR) sowie j e ner des UNAntiFolt erausschusses m üsste
der Beschwerdef ühr er eine k onk r et e G ef ahr ( "r eal r isk " ) nachweisen oder
g laubhaf t m achen, dass ihm im Fall einer Rück schiebung Folt er oder un-
m enschliche Behandlung drohen würde ( vg l. Urteil des EG MR Saadi g e-
g en I t alien vom 28. Februar 2008, G r osse Kammer 37201/ 06, §§ 124-127
m . w. H. ). Auch die allg em eine Menschenrecht ssit uat ion im I r an lässt den
Weg weisung svollzug zu m heutig en Zeit punkt nicht als unzulässig erschei-
nen. Nach dem Gesag t en ist der Vollzug der W egwe isung sowohl im Sinne
der landes - als auch der völk err echt lichen Bestimm ung en zulässig.
G em äss Ar t. 83 Abs. 4 AuG k ann de r Vollzug f ür Ausländer innen und
Ausländer unzumut bar sein, wenn sie im Heim at - oder Herk unf tsst aat auf -
g rund von Sit uat ionen wi e Kr ieg, Bürg erkr ieg, allgem einer G ewalt und m e-
dizinischer Notlag e k onkret g ef ähr det sind. W ir d eine k onk r et e G ef ähr dung
f estg est ellt , ist - unt er Vorbehalt von Ar t. 83 Abs. 7 AuG - die vorläuf ig e
Auf nahm e zu g ewähr en.
I m Ir an her r scht weder Kr ieg oder Bürg erkr ieg noch eine Sit uat ion allg e-
m einer G ewalt , auf grund der er eine Rückk ehr g ener ell un zumut bar wäre
( st at t vieler Ur t eil des BVG er D - 6447/ 2017 vom 18. Januar 2018 E. 6. 4.1) .
Auch spr echen k eine individue llen G r ünde g eg en einen W eg weisungsvoll-
zug . Der Beschwerdef ühr er hat bis zu seiner Ausreise in Teheran g elebt
und verf ügt im I r an m it seine n Elt ern und seinen G eschwist ern über ein
soziales und f amiliäres Beziehung snet z , auch wenn die Beziehung zum
Vater nicht die best e sein m ag . Er hat die Schule m it dem Abit ur abg e-
schlossen, einig e Sem est er an der Universität st udiert und verf üg t über
lang j ähr ig e Ber uf serf ahrung als ( ) beziehung swe ise ( ) . Soweit der Be-
schwerdef ühr er im vorinst anzlichen Verf ahr en gesundheit liche Pr obleme
vorg ebr acht hat, an denen er auf Beschwerdeebene nicht m ehr f est hält, ist
f estzuhalt en, dass nur dann auf Unzumut bark eit des W eg weisung svoll-
zug s g eschlossen werden k ann, wenn eine not wendig e m edizinische Be-
handlung im Heim at land nicht zur Verf üg ung st eht und die Rückk ehr zu
einer r aschen und lebensg ef ähr denden Beeinträcht ig ung des G esund-
heit szustandes der betr off enen Per son f ühr en würde ( vg l. BVG E 2009/ 2 E.
9.3. 2) . Dies ist beim Beschwerdef ühr er off ensichtlich nicht der Fall, zumal
er selbst ausg esagt hat , er hät t e sich im Ir an behandeln lassen k önnen,
wenn er g ewusst hätt e, an was f ür einer Kr ank heit er leide.
Nach dem G esag t en erwe ist sich der Vollzug der W eg weisung auch als
zumut bar.
Schliesslich oblieg t es dem Beschwerdef ühr er , sich bei der zuständi-
g en Ver tr etung des Heimatst aat es die f ür eine Rückke hr not wendig en Rei-
sedok um ent e zu beschaff en ( vg l. Art . 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch
BVG E 2008/ 34 E. 12) , weshalb der Vollzug der Weg weisung auch als m ög-
lich zu bezeichnen ist ( Art . 83 Abs. 2 AuG) .
Zusamm enf assend hat die Vorinst anz den W eg weisung svoll zug zu
Recht als zulässig , zumut bar und m ög lich bezeic hnet . Die Anor dnung der
vorläuf igen Auf nahme f ällt som it ausser Betr acht (Ar t . 83 Abs. 1-4 AuG).
Aus diesen Er wäg ung en erg ibt sich, dass die Verfüg ung , soweit sie ang e-
f ocht en worden ist , Bundesrecht nicht verlet zt, den r echtserheblichen
Sachverhalt r icht ig sowie vollst ändig f est st ellt ( Art. 106 Abs. 1 AsylG ) und
- soweit diesbe züg lich überpr üf bar - ang em essen ist. Die Beschwerde ist
abzu weisen.
Das G esuch um Verzicht auf die Er hebung eines Kost envorschusses ist
m it vorlieg endem Dir ektent scheid geg enst andslos g eworden. Die g est ell-
t en Recht sbeg ehr en erweisen sich als aussicht slos, weshalb das G esuch
um unentg elt liche Rechtspf leg e, unbesehen der aus g ewiesenen Mit t ello-
sigk eit, in Anwendung von Ar t. 65 Abs. 1 VwVG abzu weisen ist . Dement-
sprechend ist das G esuch um unentgelt liche Recht sverbeist ändung
( Ar t. 110 a AsylG ) m angels Erf üllens der Voraussetzung en von Ar t. 65
Abs. 1 VwVG ebenf alls abzu weisen.
Bei diesem Ausgang des Verf ahr ens sind die Kosten dem
Beschwerdef ühr er auf zuerleg en ( Ar t. 63 Abs. 1 VwVG ) und auf insg esam t
Fr. 750. - f estzuset zen (Ar t . 1-3 des Reg lements vom 21. Februar 2008
über die Kosten und Entschädig ung en vor dem Bundesverwa lt ung sg er icht
[ VG KE, SR 173. 320.2] ).
( Disposit iv nächste Seit e)
Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht:
Die Beschwerde wird abgewiesen.
Die Verfahrenskosten von Fr. 750.- werden dem Beschwerdeführer auferlegt. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen.
Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das SEM und die kantonale Migrationsbehörde.
Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin:
Simon Thurnheer Andrea Beeler
Versand:
Bitte beachten Sie, dass keinen Anspruch auf Aktualität/Richtigkeit/Formatierung und/oder Vollständigkeit besteht und somit jegliche Gewährleistung entfällt. Die Original-Entscheide können Sie unter dem jeweiligen Gericht bestellen oder entnehmen.
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